Unveröffentlichte Kafka-Briefe (1)

Der kurze Traum von einem Glücksfall

Ein Traum in zwei Teilen von Peter Engel

Sprache: Deutsch

Der Stapel von Briefen war in gebräuntes Papier eingeschlagen, das brüchig erschien und tatsächlich an den Knicken brach, als ich es auffaltete, um an den Inhalt heranzukommen.

Obenauf lag ein wiederum eingeschlagenes Buch, und ich erkannte auf dem Papier die Handschrift Kafkas, eine Zeile von ihm, die knapp am Rand der längeren Buchseite verlief. An wen sie gerichtet war, konnte ich nicht erkennen, auch nicht, um welches Buch Kafkas es sich handelte, ein sehr dünnes jedenfalls, also eines der zu Lebzeiten erschienenen Werke.

Die Briefe waren ursprünglich nicht gebündelt gewesen, sondern wurden, als ich sie zum ersten Male sah, von einer Frau aus einem Regal genommen und in einen Papierkorb geworfen. Ich erhaschte einen Blick darauf, als sie im hohen Bogen in den Korb segelten, konnte noch im Flug sehen, daß auf einem Blatt Kafkas Schrift ringförmig angeordnet war. Es erinnerte ein wenig an ein Spinnennetz, wobei die Fäden von der Schrift gebildet wurden. 

Ich erkannte sofort, worum es sich handelte, blieb aber ganz ruhig und bat die Frau, mir die weggeworfenen Schriftstücke doch zu überlassen, wozu sie ohne Nachfrage auch gleich bereit war.

(Hier geht es weiter zum zweiten Teil)

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