Unveröffentlichte Kafka-Briefe (2)

Der kurze Traum von einem Glücksfall

Ein Traum in zwei Teilen von Peter Engel

Sprache: Deutsch

Als ich die Blätter später untersuchte, waren sie nun gebündelt und auf eine etwas altmodische Weise in schützendes Papier eingeschlagen, was wohl das Vergilben verhindern sollte, aber jetzt war die Schutzhülle ihrerseits völlig vergilbt. 

Nachdem ich die Briefe in Sicherheit gebracht hatte, suchte ich mir einen ruhigen Platz, wo ich sie lesen konnte. Ich kam damit aber nicht sehr weit, denn alle Augenblicke beugte sich ein interessierter Bekannter über die ausgebreiteten Haufen von Schreiben, die ganz durcheinander geraten waren, und ich beeilte mich immer gleich mit der Erklärung, daß es sich um Briefe Kafkas handele, die ich gerade entdeckt hätte und nun lesen wolle. Hatte ich das eben einem Neugierigen mitgeteilt, der nicht sonderlich beeindruckt schien, beugte sich schon ein weiterer Bekannter über die Blätter, dem ich die nämliche Erklärung gab. 

Langsam regte sich dabei mein schlechtes Gewissen, und ich fragte mich, ob ich die Schreiben nicht unrechtmäßig an mich gebracht hatte, denn ihre wahre Bedeutung und ihren Wert hatte ich ja der Frau verschwiegen. Jedenfalls kam ich nicht dazu, die Schreiben Kafkas, die ganz offensichtlich unveröffentlicht waren, auch nur ansatzweise zu lesen. Sie werden deshalb nie publiziert werden können und müssen für die Forschung als verloren gelten, was ich meinem Traum beim Aufwachen ernstlich übel nahm. 

(Hier geht es zurück zum ersten Teil)

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