Worte und Träume

Der kurze Traum vom Sieg über das Leid

Ein Traum von Mariapia Veladiano

Sprache: Italienisch

Cammino con fatica lungo i binari di una ferrovia che scorrono quasi invisibili sotto la neve. Due linee sottili. Mi circondano montagne verticali, su cui la neve gelata si attacca coprendole di bianco. 

Mi piace il freddo solo che non sento più le mani. Sono senza guanti e mi ricordo improvvisamente che devo suonare l’organo che vedo appoggiato a una roccia alla mia destra. 
È illuminato di una luce dentro. Sembra una cattedrale. 
Esco dal solco appena visibile dei binari e vado verso l’organo. Ha tasti bianchi e blu e dalle canne esce un suono di bufera quando inizio a suonare. Poi, via via che le mani si scaldano, le note diventano parole e canti strazianti o sereni o ninnenanne. E anche pianti e risate allegre di bimbi. 
Ho paura a mettere le mani sulle tastiere perché suono dolori e gioie ma non so distinguere i tasti giusti per evitare il male. Sto immobile e le dita si ghiacciano e intanto le canne dell’organo inutilizzate diventano stalagmiti e le punte in alto si rompono e cadono giù verticalmente come tante lance di ghiaccio. E capisco che se non suono il gelo prevale ma se suono non so evitare il dolore. 
 

(da Parole e sogni, Il Sogno di mezzanotte del 01/10/2011. Rai Radio Tre, rid.)


Der Traum in Deutsch

Ich folge mühsam dem Verlauf der unter dem Schnee fast unsichtbaren Eisenbahnschienen. Zwei schmale Linien. Um mich herum sind steile Berge, an denen der gefrorene Schnee hängt, sodass sie weiß bedeckt sind. Ich habe nichts gegen die Kälte, nur, dass ich meine Hände nicht mehr fühle. Ich bin ohne Handschuhe und plötzlich fällt mir ein, dass ich die Orgel spielen muss, die ich rechts an einem Felsen aufgebaut stehen sehe. Sie ist von innen her erleuchtet. Sie sieht wie eine Kathedrale aus. Ich steige aus dem kaum vorhandenen Schienenbett und gehe zur Orgel. Sie hat weiße und blaue Tasten und aus den Orgelpfeifen ertönt es wie Sturmgeheul, als ich zu spielen anfange. Aus den Tönen formen sich allmählich mit dem Erwärmen meiner Hände Wörter, dann Lieder, schmerzliche oder heitere oder Wiegenlieder. Und auch Kinderweinen und fröhliches Kinderlachen. Ich habe Angst, die Tasten zu berühren, denn ich spiele Leid und Freude, aber ich bin unfähig, die richtigen Tasten herauszufinden, um das Leid zu verhindern. Ich rühre mich nicht mehr, und meine Finger werden zu Eis, während die unbenutzten Orgelpfeifen zu Stalagmiten werden und ihre Spitzen abbrechen und wie ein Heer von Eislanzen senkrecht nach unten stürzen. Da verstehe ich es: Wenn ich nicht Orgel spiele, herrscht Eiseskälte, wenn ich aber spiele, ist der Schmerz unvermeidbar.


Glossar

  1. mühsam – con fatica
  2. verlaufen – scorrere
  3. schmal – sottile
  4. steil – verticale
  5. etw. fällt jmdm. ein – ricordare improvvisamente
  6. Orgel (f.) – organo
  7. erleuchtet sein – essere illuminato
  8. kaum vorhanden – appena visibile
  9. Schienenbett (n.) – il solco dei binari
  10. Sturmgeheul (n.) – suono di bufera
  11. sich erwärmen – scaldarsi
  12. Leid (n.) – dolori
  13. herausfinden – distinguere
  14. verhindern – evitare
  15. sich nicht rühren – stare immobile
  16. abbrechen – rompersi
  17. senkrecht – verticalmente
  18. unvermeidbar – non so evitare

Fragen zum Text

Was stimmt nicht?

  1. Wenn die Träumende zu spielen aufhört, …
    1. werden ihre Hände zu Eis.
    2. kann sie das Leid verhindern.
    3. erfriert die Welt.
  2. Wenn die Träumende auf der Orgel spielt, …
    1. werden ihre Hände warm.
    2. spielt sie nicht nur heitere Lieder.
    3. kommt das Glück über die Welt.
  3. Die Natur ist im Traum …
    1. „der Spiegel menschlicher Empfindungen“ (Caspar David Friedrich).
    2. sichtlich vom Menschen gestaltet.
    3. eine verschneite Berglandschaft.

Übe die Vokabeln!

Setze die fehlenden Vokabeln ein.

  1. Die Eisenbahn fährt auf ___________.
  2. In der Kirche steht eine große ___________. Oft gibt es Konzerte mit Meisterwerken von Bach.
  3. Die steilen Bergwände sind von ___________ bedeckt, Kein Bergsteiger kann sie erklimmen.
  4. „Wo man singt, da lass Dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine ____________“.
  5. Meine _________ sind eiskalt. Ich glaube nicht, dass ich damit Klavier spielen kann.
  6. __________ können fröhlich lachen oder auch schmerzlich weinen.

Übe die Grammatik!

Übe den Plural!

  1. die Hand
  2. der Berg
  3. die Taste
  4. das Lied
  5. das Wort
  6. der Ton
  7. die Spitze
  8. die Linie
  1. _____________________________
  2. _____________________________
  3. _____________________________
  4. _____________________________
  5. _____________________________
  6. _____________________________
  7. _____________________________
  8. _____________________________

Bild und Text

Betrachte das Bild und benenne die Dinge, die zu sehen sind. Erzähle den Traum.

Weiterführende Aufgabe

Wie würdest du den Traum deuten? Schreib einen kurzen Text.

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